In diesem Artikel fasse ich Erfahrungen von mir und anderen Doktoranden zusammen. Oft sind es auch Dinge, bei denen ich mir im Nachhinein denke, “hättest Du das nur vorher gewusst/gekannt/gemacht”. Vielleicht machen Sie Dir das Leben leichter—promovieren ist auch so schon hart genug.

Über das Promovieren

In der Biologie promovieren heißt, wie in jedem anderen Fach auch, sich in ein Thema tief einzuarbeiten und es durch Forschung voranzubringen. Es ist der Höhepunkt Deiner akademischen Ausbildung—und macht verdammt viel Spaß! Du wirst Dich möglicherweise nie mehr in Deinem Leben in derart tief in derart komplexe Sachverhalte einarbeiten wie während Deiner Doktorarbeit.

Wie schon in einem anderen Artikel erwähnt, ist promovieren mit äußerst viel Stress verbunden. Dass Dich Dein Thema deshalb interessieren sollte, versteht sich von selbst. Rein aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu promovieren wird nicht funktionieren, weshalb es wichtig ist, sich schon vor dem Studium zu überlegen, ob Biologie das Richtige für Dich ist. Du musst aus Deinem Inneren heraus forschen wollen. Oft sind die Themen vorgegeben, da sie sich aus dem Kontext der Forschung in der jeweiligen Arbeitsgruppe ergeben: Ein Themengebiet erfordert nähere Betrachtung, also wird eine Doktorarbeit daraus gemacht. Man kann—und soll, und muss!—als Doktorand die Richtung beeinflussen, aber das Themengebiet richtet sich nach der Arbeitsgruppe.

Auswahl des Themas und des Betreuers

Es ist hilfreich—das weiß man aber erst nach ein paar Monaten—wenn die Doktorarbeit eine Fragestellung enthält (neben anderen), die auf einfache Weise Ergebnisse liefert. Damit meine ich Methoden, die im Labor etabliert sind und einfach funktionieren, beispielsweise einfache histologische Färbungen, die analysiert werden müssen. Die Färbungen sind schnell gemacht und man bekommt auf einfache Weise Daten, und zwar immer. Das ist eine gute Basis, falls die komplexeren Fragestellungen auf irgendeine Art Probleme machen. Welche Methoden hier geeignet sind, hängt von der thematischen Ausrichtung der Arbeitsgruppe ab.

Bei der Betreuung einen guten Rat zu geben, ist schwierig. Höre beim Betreuer auf Dein Bauchgefühl. Ich habe mich damals entschieden, bei meiner Betreuerin aus der Diplomarbeit auch zu promovieren, was sich in der Rückschau als gute Wahl herausgestellt hat. Dein Betreuer sollte wissenschaftlich sauber arbeiten, gutherzig und fair sein. Es ist absolut nicht tragbar, einen Klaus Kinski Verschnitt als Betreuer zu haben, das hältst Du nicht durch! Diese Menschen gibt es aber zu genüge, deshalb Achtung. Dein Betreuer spielt in den nächten Jahren eine sehr große Rolle in Deinem Leben, und ein schlechtes Verhältnis kann ein Auslöser von Depressionen sein. Leider hat man hat als MSc oft nicht genug Erfahrung, um das zu beurteilen. Finde deshalb viel über Deinen zukünftigen Betreuer heraus und höre auf Dein Bauchgefühl. Betreuer sind immer Postdocs oder Professoren, die selbst in die Rolle reingewachsen sind. Anders als in der Industrie wird bei der Vergabe von Führungsrollen nicht auf Sozial- und Führungskompetenz geachtet, sondern auf wissenschaftliche Leistungen. Das hat den Nachteil, dass auch Personen, denen Personalführung gar nicht liegt, Personal führen müssen. Vorsicht ist daher angebracht.

Rahmenbedingungen

Das Wichtigste: Auf keinen Fall einen Stipendienvertrag unterschreiben. Einige Institute wollen Geld sparen und bieten deshalb Stipendienverträge an. Der Name ist irreführend, denn das einzige, was ihn von einem normalen Arbeitsvertrag unterscheidet, ist, dass die Institute keine Arbeitslosen-, Sozial- und Krankenversicherungsbeiträge für Dich zahlen. Das bedeutet, dass Du Hartz IV Empfänger wirst, wenn Du nach der Promotion nicht gleich einen Job findest. Weiterhin hast Du eine große Rentenlücke, weil Du keine Rentenversicherung eingezahlt hast. Also: Finger weg von Stipendienverträgen! Diese Praxis ist eine absolute Unverschämtheit und wird nur aufhören, wenn die Institute mit diesen Verträgen keine Leute mehr finden.

Das Gehalt sind meistens 12 bis 23 einer PostDoc Stelle, also TVöD E13 Stufe 3. 50% sind sehr wenig, um die 1100 Euro pro Monat (Stand Heute), das ist auch ohne Einberechnung der Arbeitszeit schon in der Nähe der Armutsgrenze. Daher empfehle ich, eine 23 Stelle anzupeilen.

Urlaub ist wichtig, um die mentale Gesundheit zu bewahren. In einem normalen Arbeitsvertrag finden sich 30 Tage Urlaub, die auch gewährt werden müssen. In Stipendienverträgen gibt es oft keine Urlaubsregelungen, das heißt, Du bist von dem guten Willen deines Vorgesetzten abhängig.

Durchführung

Technisches

Ich möchte hier nochmal erwähnen, dass es sich lohnt, während der Doktorarbeit R zu lernen. Es ist wahrscheinlich, dass Du große Mengen Daten produzieren wirst. Widersetze Dich dem Drang, alles in Excel auszuwerten. Excel kann das zwar, es ist aber aufgrund der großen Flexibilität von Excel wahrscheinlich, dass Du Fehler in Deine Sheets einbauen wirst, was dich eine große Menge Zeit kosten kann. Lerne lieber direkt von Anfang an, Deine Ergebnisse in R (oder auch Python) auszuwerten, zusammen mit einer strukturierten Datenhaltung—das wird Dir am Ende eine Menge Zeit sparen (dazu in einem weiteren Post mehr). Abgesehen davon hast Du einen weiteren, sehr gefragten Skill für den Lebenslauf erlernt: Datenanalyse mit R!

Projektmanagement

Die einen sind organisiert, die anderen müssen es erst noch lernen. Ich gehörte zu letzterer Gattung. Ich empfehle dennoch allen dringend, direkt am Anfang so bald wie möglich einen Kurs im klassischen Projektmanagement zu machen, denn die Doktorarbeit ist ein Projekt und erfordert genauso Zeitpläne, Stakeholdermanagement, Kommunikationspläne, Kostenpläne, Arbeitspakete und Deliverables wie jedes andere Projekt auch. Idealerweise ist der Kurs mit einer Zertifizierung, beispielsweise IPMA. Das kostet mehr Zeit und Geld, macht sich aber gut im Lebenslauf.

mentale Gesundheit

Promovieren stresst. Nicht funktionierende Western Blots, nicht wachsende Zellen, nervende TAs, nervende Betreuer, statistisch insignifikante Ergebnisse, zwei Meter lange TODO Listen, 60h Wochen, E-Mails und Meetings schlagen irgendwann selbst sonst stressresistenten Persönlichkeiten aufs Gemüt. Das ist leider die Normalität. Eine neue Studie hat gezeigt, dass ganze 40% der Doktoranden aus den biologischen Wissenschaften Zeichen von Ängsten und Depressionen zeigen. Das ist leider ein Tabuthema, nicht nur in den USA.

Um eine Promotion zu schaffen, ist es dehalb sehr wichtig, auf seine mentale Gesundheit zu achten. Soziale Kontakte außerhalb der Arbeit können die Qualität des sonst sehr auf die Doktorarbeit zentrierten Lebens sehr verbessern. Gehe regelmäßig aus, treibe Sport, achte auf gute Ernährung, nimm Dir Zeit für Urlaub. “Gönn’ Dir”. Wenn Du in einer Beziehung lebst, pflege diese. Einen verständnisvollen Partner zu haben, ist extrem wichtig. Die Doktorarbeit ist es nicht wert, eine Beziehung oder irgendwas sonst zu riskieren! Wenn Du nicht mehr kannst, hole Dir Hilfe. Das bedeutet nicht, dass Deine Doktorarbeit scheitert.

Laborpolitik

Als Doktorand kommt man häufig zum ersten Mal richtig mit “Laborpolitik” in Kontakt. Das ist von Arbeitsgruppe zu Arbeitsgruppe unterschiedlich. Meine Hypothese lautet: Laborpolitik entsteht aus Mangel an Ressourcen. Da es im Labor grundsätzlich immer an Ressourcen mangelt, werden Absprachen getroffen. Wenn Absprachen getroffen werden, versucht jeder, das beste für sich rauszuschlagen. Voilà, Politik. Das führt zum Beispiel dazu, dass mitunter vollkommen abstruse Regelungen entstehen, die jeder einzuhalten hat. Als Doktorand bist Du sehr weit unten in der Nahrungskette. Solange die Politik also nicht absolut furchtbar ist und eine unmittelbare Blockade Deiner Arbeit darstellt, ist es ratsam, mitzumachen. Dabei gilt eine wichtige Regel: Lege Dich nie mit den TAs an. TAs sind die Herrscher des Labors, in dem Du arbeitest. Stellst Du Dich gut mit Ihnen, hast Du einfachen Zugang zu enormem Wissen, Hilfe und Material. Stellst Du Dich schlecht mit Ihnen, kann das vielleicht nicht fatale, aber sehr unangenehme Folgen für das Gelingen Deiner Doktorarbeit haben. Es spielt dabei keinerlei Rolle, ob der oder die TA eine angenehme oder unangenehme Persönlichkeit ist—es ist wichtig, ein professionelles, positives Verhältnis zu wahren.

Der letzte Absatz gilt im Übrigen für alle Mitarbeiter, sei aber für TAs nochmal besonders hervorgehoben. Egal ob TA oder nicht, Du wirst irgendwann von irgendem Hilfe benötigen. Niemand wird Dein Hilfegesuch ablehnen und Dir nicht helfen. Man wird Dir immer helfen. Aber: Die Güte der Hilfe ist abhängig davon, wie Du Dich mit Mitarbeitern stellst. Warst Du in der Vergangenheit freundlich und hilfsbereit, wird die Hilfe intensiver ausfallen. Bist Du ein Arschloch, das keiner leiden kann, wird man Dir nur sehr oberflächlich helfen, was Dich letztlich nicht weiterbringt. Beispiel: Eine gute Hilfestellung erklärt eine Methode im Detail und führt sie vielleicht sogar mehrmals vor, eine oberflächliche Hilfestellung schickt Dir ein Paper ohne weitere Erklärung.

Zusammenschreiben

Wann?

Das ist wahrscheinlich die Frage, die am meisten gestellt wird: Wann ist es genug? Die Antwort lautet: Nie! Man hat nie genug Daten. Du kannst aber trotzdem zusammenschreiben, wenn Du die Fragestellung Deiner Doktorarbeit mit ausreichender Sicherheit beantworten kannst. Wann das ist, musst Du mit Deinem Betreuer besprechen, darauf gibt es leider keine pauschale Antwort. Oft ist die Finanzierung von Doktorarbeiten auch zeitlich begrenzt, beispielsweise 3 oder 4 Jahre, was ein gutes Maß ist.

Was viele nicht gerne hören, aber dennoch zählt: In der Industrie juckt es im Allgemeinen niemanden, ob Du 3 oder 5 Jahre lang promoviert hast. (Ausnahme: Forschungspositionen in der Pharmabranche, aber die sind rar.) Wenn Du sicher weißt, dass Du nicht in der Forschung bleiben möchtest, dann wähle die kürzere Variante.

Technisches

Die Doktorarbeit nie in Word, LibreOffice, Pages oder sonst irgendwelchen Textprogrammen schreiben, sondern immer LaTeX verwenden. Ich kann das wirklich nur jedem ans Herz legen. Ich habe schon einige Bachelor-, Diplom- und Doktorarbeiten im Nirvana verschwinden sehen, weil die Leute Word oder LibreOffice verwendet haben. Der Vorteil von LaTeX ist auch, dass Du Dich nicht um Dinge wie Inhaltsverzeichnis, Bild- und Tabellenreferenzen und Literaturreferenzen kümmern musst—das macht LaTeX automatisch, was eine Menge Zeit und Fehler spart. Weil LaTeX allerdings eine höhere Lernkurve hat als beispielsweise Word, empfehle ich dringend, schon während der Durchführungsphase kleinere Sachen in LaTeX zu setzen. Auf meinem GitHub Profil findest Du eine Vorlage für Abschlussarbeiten, auf deren Basis ich auch meine eigene Dissertation erstellt habe.

Ich empfehle außerdem, ein Versionskontrollsystem wie Git zu verwenden, um Änderungen nachzuvollziehen. Das hat allerdings nochmal eine Lernkurve, es lohnt sich aber. Auf GitLab gibt es kostenlose private Git ‘Repositories’, in die Du Deine LaTeX Dateien ‘pushen’ kannst. Auch hier rate ich, schon während der Durchführungsphase etwaigen R oder Python Code mit Git zu tracken, um ein Gefühl für die Arbeit mit Git zu bekommen.

Die technisch weniger Versierten können auch Dropbox verwenden. Hier gilt die Regel: Deine LaTeX Dateien verlassen niemals die Dropbox. Dropbox bietet automatische Versionierung, Synchronisierung und Backup von Dateien. Solange Du Deine Dateien in der Dropbox hast, kann damit nichts passieren. Dass das überaus wichtig ist, versteht sich von alleine.

Gestalten und Drucken

Ein paar Tipps zum Gestalten und Drucken, weil es immer wieder zu Fehlern und Verwirrung führt:

Disputation

Hier auch ein paar Tipps für die Disputation:

Fragen, Anregungen und Kommentare gerne per E-Mail!